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Fracking: Geologe warnt vor unkalkulierbarem Risiko

11.06.2013

Frank Schmidt ist Experte für Fragen rund um Mineralwasservorkommen und Wasserhaushalt.

Bielefeld – Nicht nur Unternehmen wie Christinen Brunnen lehnen die umstrittene Erdgasfördermethode Fracking ab, auch Experten und Wissenschaftler halten die Technik für nicht ausgereift und befürchten irreversible Schäden für die Natur und in deren Folge auch für den Menschen. Frank Schmidt aus Bielefeld ist Diplom- und Hydrogeologe. Zu seinen Aufgaben gehört es, Grund- und Mineralwasservorkommen zu erkunden und zu überprüfen, in welcher Menge Grund-/Mineralwasser entnommen werden kann, ohne dass es zu Beeinträchtigung des Wasserhaushaltes und der Umwelt kommt. Außerdem bewertet er, welchen Gefährdungspotentialen das Grund-/ Mineralwasser ausgesetzt sein könnte, und wie man sie vermeiden kann.

Schmidts Urteil zum Thema Fracking in der Region Teutoburger Wald fällt nach eingehender Untersuchung der Naturlandschaft und ihrer Gesteinsschichten eindeutig aus: „Eine risikofreie Erschließung ist nicht realistisch.“

Die (Schiefer-)Gaslagerstätten, die für die Energiewirtschaft so interessant sind,  befinden sich mehrere hundert Meter unter dem sogenannten Grundwasserstockwerk und sind durch geologische Sperrschichten nach oben abgegrenzt. Gebohrt wird also durch Zonen mit Grundwasser, Trink- oder Mineralwasser. Schmidt: „Die Bohrungen müssen bis in die potentiell gasführenden Gesteinserien vorgenommen werden.

Dies entspricht in unserer Region einer Tiefe von mehr als 1000 m. Danach werden die Bohrungen jedoch noch horizontal durch die Gesteinserien vorangetrieben. In diese Horizontalbohrung werden nun Löcher geschossen, in die unter hohem Druck (150-400 bar) ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand, keramischen Stützmitteln und Additiven in den Untergrund eingepresst werden.“

Ein Garantie für eine rückstandslose, saubere Technik gibt es aus Sicht des Experten nicht. „Es entstehen im Gestein Drücke von mehr als 1000 bar, die Risse erzeugen.“ Und:  „Der Stoffmix aus Additiven enthält eine unbekannte Mischung aus 200 Substanzen und Biozide. Etliche davon gelten als giftig und wassergefährdend.“ Wer will da sicher ausschließen, dass diese Mischung ins Wasser gerät, es verunreinigt oder sogar verseucht?

Schmidt sieht größte Gefahren für die Wasservorkommen und für die Naturlandschaft im Teutoburger Wald. „Es gibt beim Fracking ein unkalkulierbares Risiko, dass dann hoch belastete Wässer aus der Erdgaslagerstätte in die unmittelbar darüber liegenden Tiefenwasserhorizonte gelangen, die für die Trink- und Mineralwassererzeugung bedeutsam sind.“ Und deshalb mahnt er zur Umsicht: „Es mangelt an Erfahrung mit dem risikolosen Fracking und der schadlosen Beseitigung der eingesetzten Stoffe. Ich halte es für leichtfertig. Die Befürworter sollten sich vergegenwärtigen, dass in unserer Region das gefährdete Grund- und Tiefenwasser zur öffentlichen Daseinsvorsorge unersetzbar ist.“

Und nicht zuletzt plädiert er auch dafür, die Naturlandschaft und das Alter des Teutoburger Waldes samt seiner Quellen mit Würde und Respekt zu behandeln. „Es handelt sich um Gesteine des Erdmittelalters, die zur Zeit der Gebirgsbildung der Alpen ebenfalls aufgefaltet wurden. An der Grenzzone zum flachen Münster’schen Becken vermischt sich das entlang des Teutoburger Waldes neu gebildete Grundwasser mit dem Jahrmillionen alten hochmineralisierten Tiefenwasser aus den 70 Millionen Jahre alten Meeresablagerungen des Beckens“, erklärt er.

„Diese Mischungszone stellt die Grundlage des reichen Mineral-/und Heilwasservorkommens dieser Region dar.“ Und macht das Wasser hier zu einem so besonderen. „Seine Qualität, die ursprüngliche Reinheit ist auf die naturbelassene Struktur des Teutoburger Waldes sowie der ursprünglichen Charakter des Jahrmillionen alten Tiefenwassers zurückzuführen.“

Das schlimmste Szenario für Natur und Mensch möchte Schmidt sich deshalb gar nicht ausmalen: „Dass der Mensch sich im schlimmsten Fall seiner dringend benötigten Wasservorräte beraubt. Weltweit wird über Wasserknappheit geklagt und wir zerstören unsere Ressourcen mutwillig.“

Noch ist es nicht zu spät, glaubt Schmidt und plädiert dafür, Fracking-Vorhaben solange auszusetzen, bis ein sicherer fachlicher und verwaltungsrechtlicher Rahmen vorliegt, der eindeutige Regelungen enthält. „Die bisherige Gesetzgebung ist völlig unzureichend. Ein Fracking-Gesetz wäre wünschenswert. Lassen sich Risiken grundsätzlich nicht ausschließen, sollten Fracking-Vorhaben untersagt werden.“

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